Gewöhnung ist der Tod der Veränderung

Cassandra Schlangen
27.03.2024

So schön und bequem Gewöhnung auch ist, so lähmend hält sie Innovation und Veränderung
gefangen.

„So ist das nun mal bei uns – wir machen Projekt-Geschäft, da ist nichts planbar.“ War der erste Satz,
der mich im Coaching aufhorchen ließ. Dann folgte prompt der zweite Satz: „Unsere AZUBI-
Verantwortlich macht das sowieso nicht, das machen wir immer und dann ist es auch gut erledigt.“

Würdest du manchmal gern anders entscheiden? Dir fällt aber so schnell nichts anders ein, als das,
wie du schon immer entscheiden hast?

Genauso schleicht sich Gewöhnung in die Gedanken ein und eh man sich versieht ist es normal und
wird nicht mehr hinterfragt, sondern als gegeben hingenommen. Gewöhnung setzt Scheuklappen
auf, macht blind für neue Möglichkeiten und reduziert Handlungsoptionen. Nicht das das mit Absicht
passiert – meist wird die erstbeste und schnellste Lösung für ein Problem gesucht, denn die anderen
Probleme stehen ja schon Schlange. Nur leider ist die schnelle kurzfristige Lösung selten eine gute für
die Dauer.

Nehmen wir das Beispiel mit der AZUBI-Verantwortlichen. Jemand aus dem Unternehmen greift ein und übernimmt den Job für jemanden, der dafür bezahlt wird. Nach außen hin scheint alles reibungslos zu laufen und die Aufgaben werden erledigt. Doch intern wächst unfairer Arbeitsdruck, Frustration gegenüber Kollegen und Silodenken entsteht. Auch der Chef wird praktisch hintergangen, da jemand heimlich Aufgaben übernimmt, nur um Probleme zu vermeiden. Das Ziel ist richtig, der Weg falsch, denn die mühevoll ausgewählten und gewonnen AZBIS sollen motiviert und engagiert ausgebildet werden. man weiß ja, wie wichtig AZUBIS für den Erfolg der Produktion ist. Nur der Weg, geht langfristig nicht aus – wo soll das enden?

Für die AZUBI-Verantwortliche kann es zweierlei bedeuten: „Prima, ein anderer (Depp) machts – also eine klare sarkastische Teamdefinition (TEAM-Toll, ein anderer machts), die nicht von ungefähr kommt. Oder „So schlecht bin ja nicht, denn irgendwie läufts ja.“ Beide Entwicklungen sind fatal.

Ein ungeschönter Blick ist notwendig

Es wird schwer, selbst darauf zu kommen, an welche Abläufe und Annahmen man sich im Unternehmen bereits gewöhnt hat. Kein Kollege wird mit wachsamen Ohr hinhören, was als gegeben hingenommen wird, hinterfragt diese Annahmen und sucht neue Lösungswege. Denn meistens unterliegt man ja selbst diesen unreflektierten, angenommenen Annahmen.

An welchen Gedanken und welchen Sätzen erkennst du Gewöhnung?

  • "Das haben wir schon immer so gemacht."
  • "Das ist nicht unser Ansatz."
  • "Das funktioniert bei uns nicht."
  • "Wir haben es schon versucht, und es hat nicht funktioniert."
  • "Das ist nicht mein Zuständigkeitsbereich."
  • "Das ist einfach zu riskant."
  • "Das haben andere Unternehmen auch nicht gemacht."
  • "Wir haben keine Zeit, uns damit zu befassen."
  • "Es ist gut genug, wie es ist."
  • "Das ist nicht Teil unserer Unternehmenskultur."

Lösungsweg

In dem Fall haben wir mit dem Tetralemma gearbeitet und neue Lösungsideen für dieses Thema gesucht. Mit einer gute Diskussion sind wir auf viele Ideen gekommen und haben dabei auch gemerkt, in welche Schieflage manche Lösungen führen können.

Das Tetralemma ist eine Strategie zur Problemlösung, die vier (auch fünf) alternative Möglichkeiten betrachtet, anstatt sich nur auf zwei gegensätzliche Optionen zu konzentrieren. Es fordert dazu auf, die Polarität von "entweder/oder" zu durchbrechen und zusätzliche Perspektiven zu berücksichtigen. Durch die Berücksichtigung aller vier (fünf) Alternativen kann eine umfassendere Analyse durchgeführt werden, die zu kreativeren und ausgewogeneren Lösungen führt.

In dem Fall hat das Führungsteam eine komplett neue Lösung gefunden. Ob diese Lösung schon zur befreienden Erlösung in den Thema führt, werden wir sehen. Zumindest kommt das Team einen Schritt weiter und erfährt Selbstwirksamkeit. Und das ist viel besser als „Mehr desselben“ zu machen und immer wieder über unfähige Mitarbeiter hinter dem Rücken zu jammern.

"Mehr desselben"

"Mehr desselben" ist ein Konzept, das vom österreichisch-amerikanischen Kommunikationstheoretiker Paul Watzlawick geprägt wurde. Es bezieht sich auf die Tendenz von Menschen, in gewohnten Verhaltensweisen und Denkmustern zu verharren, auch wenn diese nicht mehr effektiv sind oder zu negativen Ergebnissen führen.

Die Idee hinter "mehr desselben" ist, dass Menschen oft dazu neigen, in Situationen, in denen sie mit Schwierigkeiten konfrontiert sind, weiterhin dieselben Strategien anwenden, die zu diesen Schwierigkeiten geführt haben. Sie wiederholen also ihr Verhalten, in der Hoffnung, dass es sich irgendwie ändern wird oder sich die Ergebnisse verbessern werden.
Watzlawick argumentiert, dass dieser Ansatz paradox ist, da er dazu führt, dass Menschen in einer Endlosschleife von Problemen stecken bleiben. Anstatt sich weiterhin in negativen Mustern zu verlieren, sollten Menschen stattdessen bereit sein, neue Wege zu erkunden und alternative Lösungen auszuprobieren.

In Bezug auf Kommunikation betont Watzlawick, dass es wichtig ist, sich bewusst zu machen, wie sich bestimmte Kommunikationsmuster auf Interaktionen auswirken können. Indem man sich von festgefahrenen Denkmustern löst und offen für Veränderungen ist, kann man effektivere Kommunikationsstrategien entwickeln und somit auch bessere Ergebnisse erzielen.

Insgesamt erinnert uns das Konzept von "mehr desselben" daran, dass Veränderung oft notwendig ist, um Probleme zu lösen und Fortschritte zu erzielen. Indem wir uns von der Vorstellung verabschieden, dass das Wiederholen desselben Verhaltens oder derselben Strategien zu unterschiedlichen Ergebnissen führen wird, können wir uns öffnen für neue Möglichkeiten und Wege zur Lösung von Problemen.

Willst du das Tetralemma mal ausprobieren? Hast du Entscheidungen vor dir, die du anders durchdenken möchtest?